Leserkommentar

Zweifelsohne: Unsere Polizisten sind immer öfter Widerstand ausgesetzt. Aber: In aller Berichterstattung vermisse ich die umgekehrte Sichtweise. Es wird stets vermittelt, die Gesetzeshüter wären Opfer. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

Wer sich genau durch die einzelnen Medien liest, der entdeckt nicht selten Randnotizen, in denen von Gewalt der Polizei die Sprache ist. Beamte, die über die Stränge schlagen. Sie fühlen sich in der Rolle der staatlichen Obrigkeit. Dabei müssen es nicht Beispiele des übermäßigen Schusswaffengebrauchs oder der Folter im Polizeigewahrsam sein.

Auch, wenn zu schnell gefesselt wird, Personen unnötigerweise zu Boden gebracht oder in der Fahrzeugkontrolle aufgrund äußerlicher Merkmale besonders drangsaliert werden. Das Ausnutzen ihrer Macht und des Monopols darauf – es sind nur Ausnahmen unter den Polizisten, die meinen, das Gesetz auf ihrer Seite zu haben.

Doch Polizeigewalt hat auch in Deutschland Strukturen – im Gegensatz zu den Beamten finden ihre Opfer kaum eine Lobby. Rechtsstaatlichkeit gilt für alle. Nichts rechtfertigt Aggression gegen Polizisten, aber als Vorbilder für Paragrafentreue sind es genau sie, die sich ebenso kritisch einer Prüfung unterziehen lassen müssen, wenn Vorwürfe gegen sie auftauchen.

Staatsanwaltschaften und Kollegen sind dann die falschen Ermittler. Es braucht unabhängige Stellen. Und Hilfe für Beamte – denn Polizeigewalt hat Ursachen, vor denen wir die Augen nicht verschließen dürfen. Und manchmal hilft es, den Spiegel vorzuhalten.

[Dennis Riehle]

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Pressemitteilung

Die „Humanistische Alternative Bodensee“ (HABO) hat die evangelische Kirche scharf kritisiert. Nach Berichten der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ dürften durch das Reformationsjubiläum 2017 mehrere Milliarden Euro in die Kassen gespült werden. Besonders profitiert offenbar der eigens gegründete Verein für dieses Event. Erschreckend seien laut des HABO-Sprechers Dennis Riehle die hohen Summen aus den öffentlichen Kassen: „Dass die Kulturstaatssekretärin 40 Millionen beitragen will, rund 40 Prozent des Etats des Wittenberger Organisationsbüros aus staatlichen und privaten Investitionen kommen und man mithilfe von Förderungen der Europäischen Union für Renovierungen und Infrastruktur rechnet, zeigt, dass dieses kirchliche Ereignis massiv auf Steuergeld wird zurückgreifen können“.

Wenngleich die Meldungen nicht überraschen, sind die offenen Aussagen aus Richtung der Veranstalter ungewöhnlich. Immerhin rühmen sich Kirche und ihre Veranstalter für ihre Wirtschaftlichkeit ganz ungeniert: „Dass Unsummen mit einem ‚Playmobil‘-Luther gemacht werden, zeigt, wie tief man offenbar gesunken ist. Da führen die Protestanten ihre Entstehung eigentlich ad absurdum. Denn es war mit dem Thesenanschlag um eine Ernsthaftigkeit im Glauben gegangen. Dass man diesen Schatz nun mit Marketingartikeln wahrlich verramscht, das ist doch bezeichnend dafür, wonach es hier nicht um Religionsausübung, sondern allein um Profitgier geht“, so Riehle. Es sei überdies perfide, dass man auf die gut betuchten Gäste setze, die durch Anreise und Übernachtung zusätzlich Umsatz brächten. „Da sollte man Worte aus dem Buch Habakuk entgegensetzen: ‚Wehe dem, der bösen Gewinn macht für sein Haus, um sein Nest hochzusetzen, um sich zu retten aus der Hand des Unglücks‘ (2,9)“.

Eindeutig auch die Besetzung des Vereins „Reformationsjubiläum 2017“: Mit einem Eventmanager ist die Ausrichtung wohl klar festgelegt worden. Von einem „Sommermärchen“ spricht Ulrich Schneider gar und hebt Luther als „Werbeträger“ in die Höhe. „Ob sich der Reformator mit den dunklen Seiten seiner Geschichte als Gallionsfigur eignet, mag man bezweifeln. Viel anrüchiger, dass auch hier die Grundfeste der Reformation mit Füßen getreten werden. Statt Demut und Sparsamkeit viel eher Gier und Habsüchte“, meint Riehle. Alle Aufwände machen gleichsam deutlich, dass die Kassen der Kirchen ohnehin gut gefüllt sind. Durch neue Rekorde bei den Kirchensteuereinnahmen kann offenbar viel ausgegeben werden: „Das erinnert doch alles an Investmentbanker, die nach Rendite streben, als an Vertreter einer Religionsgemeinschaft, die auch in solchen Moment das Evangelium leben sollten. Un-glaub-würdiger kann man ein Fest nicht gestalten. ‚Kann man auch Trauben lesen von den Dornen und Feigen von den Disteln?‘, fragt Markus in 7,16. Ich auch. “, so der HABO-Sprecher abschließend.

[Dennis Riehle]

Veröffentlicht unter Glaube.
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Pressemitteilung

Die Selbsthilfegruppe zu Zwangsstörungen und Depressionen im Landkreis Konstanz warnt vor einer zunehmenden Anzahl an Abhängigen von mobilen Endgeräten. Wie der Leiter der Gruppe, Dennis Riehle, berichtet, würden immer mehr besorgte Anrufe und Mails von Angehörigen eingehen, die sich über das Suchtpotenzial des Verhaltens ihrer Nächsten erkundigen würden: „Es besteht eine berechtigte Angst, dass nach Alkohol, Drogen und Computerspielen nun vermehrt das Smartphone zum Suchtmittel in unserer Zeit wird“, so Riehle.

„Viele Angehörige, selten auch Betroffene, melden sich bei der Gruppe, weil sie hoffen, dass ihre Abhängigkeit lediglich ein Tic, vielleicht ein Zwang ist. Dafür fehlt einerseits aber eine Ich-Dystonie, also die Einsicht, sich nicht mit dem Verhalten zu identifizieren. Auch erfüllt der Smartphone-Gebrauch eine andere Funktion in der Persönlichkeit des Betroffenen als bei einer zwanghaften Genese“, erklärt der Gruppenleiter, der deshalb in vielen Fällen an die Suchtberatungen verweist. „Ob die Angehörigen sich dort tatsächlich Hilfe für den Umgang mit ihren Lieben einholen, weiß ich nicht. Das Schamgefühl ist besonders hoch, da jegliche Sucht noch stärker verpönt ist als eine zwanghafte Störung“.

Viele der Personen, die kaum noch von ihren Geräten wegkommen, zeigen nach Meinung von Riehle erhebliche Abhängigkeitspotenziale. Diese lägen nicht nur in der zeitlichen Beschäftigung mit dem Suchtmittel, sondern insbesondere auch in der gedanklichen Verschmelzung mit den dortigen Inhalten – wie beim momentanen Hype um „Pokémon Go“. Ein Realitätsverlust gegenüber der Außenwelt ist ebenso ein Anzeichen wie das emotionale Verhalten, wenn das Smartphone ausgestellt werden müsste. „Mit der Zeit entwickelt sich eine soziale Vereinsamung, die wiederum in die Depression führen kann. In einem solchen Falle wären die Betroffenen bei uns wiederum richtig“, meint Riehle abschließend.

Betroffene und Angehörige können sich bei Verdacht auf ein auffälliges Verhalten bei der Selbsthilfegruppe Zwänge und Depressionen melden und werden im Zweifel an die passende Stelle verwiesen. Kontakt vorzugsweise per Mail: info@zwang-phobie-depression.de, alternativ Tel.: 07531/955401 (AB).

[Dennis Riehle]

Kommentar

Konstanz bejubelt sich selbst. Statistische Zahlen belegen, dass die Stadt es geschafft hat, ihr eigenes, sich auferlegtes „Handlungsprogramm Wohnen“ zu überholen. Es wurde mehr Wohnraum gebaut, als man es in der Verwaltung erwartet hatte. Die Erwartungen von außen waren hoch, aber offenbar auch der Druck innerhalb der Ämter, zeigt sich Konstanz doch beliebter denn je als ein Traumziel Vieler, die den Bodensee dauerhaft in einer eigenen Wohnung, in einem Haus genießen wollen. Die Nachfrage hat das Angebot stets weit überstiegen, die Preise schnellten also nicht nur aufgrund der massiven Einflüsse durch die Nähe der Schweiz in unbezahlbare Höhen. Gerade für kleine Einkommen schien Wohnraum vor Ort nahezu unerschwinglich zu werden, entsprechend musste gehandelt werden.

Ja, Konstanz vergleicht sich gern mit anderen Universitätsstädten. Auch, wenn es um die Entschuldigung geht, warum hier die Mieten so teuer sind. Da erwähnt man sich gern in einer Reihe mit Freiburg, Tübingen oder gar München und Berlin. Doch Konstanz ist eigen: umgrenzt vom Bodensee, vom Nachbarland, von Schutzgebieten. Man hat es erkannt, dass die Ausbreitungsmöglichkeiten der Stadt durchaus endlicher sind als anderswo. Deshalb brauchte es Alternativen: Immer öfter verdichteten sich innerstädtische Siedlungsgebiete, gingen Bauten auf einmal in die Höhe – statt in die Breite. Und dort, wo noch ein letzter Zipfel Land zu ergattern schien, wurde Konstanz weiter, indem Flächennutzungspläne geändert und in Wettbewerben scheinbar umweltverträgliche Häuser und Umfelder erkoren wurden. Zweifelsohne: Der Eindruck entsteht, Konstanz wolle den Status der Großstadt erreichen. Dafür wird eine begrenzte Fläche immer enger bewohnbar gemacht, ohne Rücksicht auf eine lebendige Innengestaltung und einen Naturraum, der mithilfe von allerlei Ausnahmen zusätzlich noch in seine Schranken verwiesen wird.

Recht verantwortungslos sind dabei auch die beständigen Bestrebungen diverser ortsansässiger Einrichtungen: Die Universität und die Hochschule lassen jedes Jahr noch mehr Studenten zu, ohne dabei den Blick darauf zu richten, ob die städtische Infrastruktur solche Erhöhungen überhaupt zulässt. Ohne Rücksicht darauf, dass mehr Menschen auch mehr Wohnraum brauchen, werden immer neue Anziehungspunkte im kulturellen und wirtschaftlichen Bereich, im Tourismus und im Freizeitgeschäft geschaffen, die eine Stadt einerseits attraktiv machen sollen, bei denen man gleichsam aber fragen muss: Passen hier die Proportionen? Ist es so schlimm, sich einzugestehen, dass Konstanz eine mittelgroße Stadt ist – und bleiben sollte, um sich und seinen Einwohnern einen Gefallen zu tun? Haben wir nicht das Selbstbewusstsein, uns über Qualität statt Quantität zu definieren? Zweifelsohne: Wir wünschen uns allseits ein Zuhause, das Andere und uns selbst anspricht. Und keiner will Konstanz vom Fortschritt abhängen. Doch zur Realität gehört auch Verhältnismäßigkeit. Und wir tun uns keinen Abbruch, unsere Stadt nach diesem Motto zu gestalten.

Gleichsam sind nicht nur wir angehalten, Lösungen zu finden, die dabei helfen, Wohnräume vernünftig zu verteilen. Denn auch die große Politik ist nicht ganz ohne Schuld: Mit Mietpreisbremsen und Wohnbauförderung macht sie es in der Theorie zwar einfacher, Unterschlupf zu finden. Letztlich fragt man sich aber: Wo sollen wir schlussendlich noch bauen, wenn uns die Städte Grenzen aufzeigen? Die Weiterentwicklung des ländlichen Raums kam über Jahre viel zu kurz. Durch das Dörfersterben wurde es Kult, in der Stadt zu leben. Fehlende Nahversorgung ließ bestehende Ortschaften langsam ausbluten. Die Chancenlosigkeit des Wohnens auf dem Land wurde förmlich herbeigeredet – und dann auch vollzogen. Immer mehr Menschen pressten sich in den Städten, Konstanz ist ein Beispiel dafür. Man kann es heute kaum jemandem verübeln, der das Urbane sucht. Immerhin ist nur dort der Anschluss an öffentliche Verkehrsmittel sicher, der Weg zum nächsten Arzt überschaubar und der Lebensmittelmarkt in greifbarer Nähe. Doch mit dem Gedanken der Zentrierung machen wir unsere Städte kaputt. Sie verkraften keinen endlosen Zuwachs, das Ideal der Metropole ist ein herbeigeredeter und durch falsche Förderungspolitik produzierter Anreiz, einen gesunden Ausgleich zwischen Stadt und Land zu verhindern – in jeglicher Hinsicht. Die Stellschrauben liegen also an verschiedenen Ansätzen versteckt, Konstanz könnte Vorreiter werden, sie zu drehen.

[Dennis Riehle]

Pressemitteilung

Die Redaktion von „ARD aktuell“ hat bedauert, in einem Bericht über Ausschreitungen in Berlin-Friedrichshain den politischen Hintergrund der Vorkommnisse nicht erwähnt zu haben. Am 10. Juli 2016 hatte die „Tagesschau“ um 20 Uhr in ihrem Beitrag kein Wort darüber verloren, dass die Gewalt von linksautonomen Randalierern ausgegangen war. Zu diesem Zeitpunkt hatten schon zahlreiche andere Medien diese Tatsache kundgetan, die unter anderem auch vom Berliner Innensenator bereits bestätigt worden war. Der Journalist Dennis Riehle (Konstanz) hatte aufgrund der Unvollständigkeit der Wiedergabe von Details in den Fernsehnachrichten eine Beschwerde beim Intendanten des Norddeutschen Rundfunks eingereicht.

Mittlerweile antwortete dieser mit einer Stellungnahme Dr. Kai Gniffkes (Hamburg), Chefredakteur von „ARD aktuell“, der sich für den Fehler entschuldigte: „In der Nachbetrachtung wäre es aus Sicht der Redaktion sicher besser gewesen, die politische Orientierung der Demonstranten genauer zu beschreiben“. Riehle hatte an den Pressekodex erinnert, der die Wahrhaftigkeit der Berichterstattung fordert: „Damit ist auch Vollständigkeit gemeint. Eine Redaktion kann damit nicht beliebig Informationen weglassen, die überall bekannt sind, nur, weil sie möglicherweise nicht ins Weltbild passen oder bei manchen Zuschauern schlecht ankommen würden“.

Der Konstanzer Journalist hatte auch bemängelt, dass der Beitrag in der „Tagesschau“ das Ausmaß der Randale verharmlost habe. Immerhin sei es nicht bloß um einige Tumulte gegangen, sondern um Zustände, die an Straßenschlachten erinnerten: „Insgesamt wies der Bericht massive Mängel auf, da hilft es auch nicht, dass die Redaktion auf das Internetangebot der ARD verweist, in welchem die Informationen ausführlicher dargestellt worden seien. Es hätte nur ein paar Worte mehr gebraucht, die Bildauswahl hätte prägnanter sein können – und schon wäre man deutlich näher an der Wahrheit gewesen. So wirken die Einlassungen des Chefredakteurs einigermaßen halbherzig“, so Riehle abschließend.

[Dennis Riehle]

Veröffentlicht unter Medien.
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Eigentlich war ich wegen etwas ganz Anderem beim Gastroenterologen vorstellig geworden: Die auffallend hohen Leberwerte, ein diffuser Druckschmerz im Oberbauch rechts und eine zunehmende Abgeschlagenheit führten mich zu ihm, nachdem bereits im Ultraschall eine deutliche Hepatomegalie (Lebervergrößerung) entdeckt worden war. Doch die erneue Sonografie ließ all das eher uninteressant werden. Denn plötzlich war dort eine Läsion (Schädigung) zu finden, im IV. Lebersegment, nur wenige Zentimeter groß. Echoarm, aber abgerundet. In einer ohnehin vorgesehenen Punktion wurde nun gleich auch eine Gewebeprobe aus dem Herd entnommen, denn radiologisch war keine abschließende Aussage im CT zu treffen. Lange Tage des Zitterns gingen dahin, die Verdachtsdiagnose des Hepatozellulären Karzinoms war in ihrer Abkürzung „HCC“ in mein Gedächtnis gebrannt.

Zunächst konnte auch die pathologische Beurteilung kein Ergebnis liefern. Die Histologie (Gewebsuntersuchung) votierte generell eher zu einem gutartigen Tumor, doch noch konnte das Leberadenom nicht bestätigt werden. Erst durch einen Spezialisten gelang die weitere Einordnung: Ein Beta-Catenin (Protein) mutiertes Gewebe lag vor, mit einer hohen Entartungstendenz. Die Frage kam auf, wie diese seltene Kombination einer Fettleberhepatitis und eines solchen Tumors zusammengehen. Die Lösung ergab sich aus meiner Medikamentenliste: Aufgrund einer Störung in der Aktivität der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und einem sich daraus entwickelnden Hypogonadotropen Hypogonadismus (Minderfunktion der Keimdrüsen) ging ich seit Jahren einer Hormonersatztherapie nach. Ja, die Beibackzettel lieferten einen Hinweis für die Gefahr eines Lebergeschehens. Doch mit einer derartigen Entwicklung schienen auch die Experten überrascht gewesen zu sein. Denn sie erwarteten Adenome dieser Art eher bei Bodybuildern, die fahrlässig Steroide zum Aufpumpen ihrer Muskeln nutzen.

Die Hepatozellulären Adenome der Leber stellen insgesamt eine Seltenheit dar. Nach Schätzungen treten sie jährlich bei einem von einer Million Menschen auf, typischerweise rund um das 30. Lebensjahr. Sie bleiben dabei zunächst ohne weitergehende Symptomatik, lediglich bei einem Größenwachstum auf mehr als fünf Zentimeter ist ein diffuses Druckgefühl im rechten Oberbauch möglich, während die Tumormarker im Blut ebenso unauffällig sind wie die eigentliche Leberfunktion. Nur ausnahmsweise treten gleichzeitig Veränderungen des Lebergewebes bei erhöhten Transaminasen (Leberenzyme) auf. Heptozelluläre Leberadenome sind in der Regel solitär (einzeln) auftretend, lediglich ab und zu gibt es Häufungen oder das Anwachsen des Tumors auf Größen über 20 Zentimeter – dann zumeist bei Männern. In der Regel finden sich keine Portalgefäße im Adenom, die Zellen sind oft leicht vergrößert, Gallengänge liegen überwiegend nicht vor. Ursächlich kann neben Hormongebrauch auch eine Glykogenspeicherkrankheit sein, mutiert sind die Tumore entweder auf Grundlage einer Mutation des Gens HNF1 mit fettigen Hepatozyten (metabolisch aktive Zellen) – oder, wie genannt, für Beta-Catenin mit möglicher maligner (bösartiger) Transformation und Dysplasie (Fehlbildung).

Meist lässt sich die genaue Diagnose erst durch Biopsie und radiologische Untersuchungen feststellen, da differenziert auch eine Fokale Noduläre Hyperplasie (gutartige Wucherung), Lebermetastasen, Angiome (Gefäßmissbildungen) oder auch das Hepatozelluläre Karzinom in Betracht gezogen werden müssen. Ich selbst war aufgrund des Verdachts für Letzteres bereits auf eine Teilresektion der Leber eingestellt, dann wurde doch die Radiofrequenz-Thermo-Ablation („Verkochung“ des Tumors) gewählt. Denn die Prognosen sind bei den Tumoren insgesamt gut. Und auch übermäßige Ängste sind nicht angebracht. Denn nicht jede Behandlung mit Hormonen führt zu solch besonderen Neubildungen. Gleichsam bleibt gerade bei Substitutionen des männlichen Geschlechtshormons Testosteron, aber auch bei der Gabe weiblicher Geschlechtshormone und der Anwendung der „Pille“ und vergleichbaren Verhütungsmitteln immer die Gefahr einer Beteiligung der Leber. Alternativen zu finden, ist schwierig, denn auch Endokrinologen sind gefordert, wenn ein Hormon aufgrund einer heftigen Nebenwirkung plötzlich nicht länger als adäquates Medikament in Betracht gezogen werden kann. Dann ist die Zusammenarbeit wichtig – zwischen Hepatologen, Hormonspezialisten und Internisten. Ich bin dankbar, sie an meiner Seite zu haben…

[Dennis Riehle]

Lesermeinung
zur Studie über die hohe Suizidrate in homosexuellen Ehen

Als Homosexueller kann ich den von Wissenschaft und Lobbyverbänden aufgeführten Gründen für die höhere Rate an Suiziden bei homosexuellen Paaren nichts abgewinnen.

Es ist leicht, die Schuld immer auf die Gesellschaft zu schieben. Doch eine derartige Stigmatisierung, wie sie vermutet wird, ist heute nur noch bedingt zu finden. Nicht die Ausgrenzung, sondern das beständige Suche nach der eigenen Persönlichkeit lässt viele Homosexuelle in ihrer seelischen Situation labil werden.

Gleichgeschlechtliches sexuelles Erleben befriedigt Triebe, aber nicht innerliche Sehnsüchte. Erfüllung bleibt aus, wenn die Philosophie des Miteinanders allein auf „Dates“, aber nicht auf Beständigkeit in der Liebe abzielt.

Und nicht zuletzt fehlen Werte wie Treue, Verlässlichkeit und Zärtlichkeit im kurzweiligen Verständnis von Quantität statt Qualität vollends.

Die Perspektive auf eine nicht selten schmerzhafte Oberflächlichkeit lässt nicht nur psychisch verarmen, sondern befördert den Wunsch nach Veränderung. Dass dieser gerade von Interessengruppen schändlich als Druck von außen gedeutet wird, unterstreicht ein Gefühl des Nichtverstandenwerdens.

Fahrlässig handeln also besonders die, die in dieser Debatte auf Andere zeigen.

[Dennis Riehle]

Lesermeinung

Zehn Flaschen Bier, ein paar Dosensuppen und eine Packung Haarspray – fertig ist der deutsche Angsthase, der sich künftig wieder nach den Bunkern dieses Landes erkundigen wird und für eine Woche vorsorgt ist, falls der Krieg ausbricht.

Zu verdanken hat er seinen Aktionismus einem Minister, der in dieser Amtsperiode schon desöfteren mit manchem Übereifer aufgetreten ist. Thomas de Maizière wird zum Grenzgänger – nicht nur, weil er möglicherweise schon bald Deutschlands Außenlinien von Soldaten bewachen lässt, sobald diese das Mandat für den Einsatz im Inneren an jeglicher Volksvertretung vorbei erteilt bekommen. Er ist auch derjenige, der stets am Machbaren unserer Verfassung kratzt, um zu prüfen, ob irgendjemand aufschreit, wenn wieder ein Bürgerrecht flöten geht.

Dabei bedient sich der bisweilen zumindest öffentlich kritisch gebende Politiker merkwürdigen Vergleichen. Weil Privatpersonen auch jedermann fotografieren und mit einer Software identifizieren könnten, müsste der Staat das an Bahnhöfen und Flughäfen auch tun dürfen. Mir ist bislang niemand begegnet, der wild durch die Gegend rannte, Fotos schoss und sie nachher einlas, um Daten zu gewinnen.

Gab es daneben nicht auch ein Recht am eigenen Bild? Wie dem auch sei: Erst sollten Ärzte und Therapeuten gefügig gemacht und die Schweigepflicht gelockert werden, nun reicht es nicht einmal für die Burka. De Maizière ist eben nicht nur ein Ankündiger – viele seiner Träume bleiben einfach nur eine Lachnummer!

[Dennis Riehle]

Leserkommentar

Geht das noch mit recht(staatlich)en Dingen zu? Dass „Hartz IV“-Empfänger mittlerweile im übertragenen Sinne bereits bis auf die Unterwäsche kontrolliert werden, welche Einkünfte und etwaige Vermögen sie haben, ob Nebenjobs oder ein Ehrenamt vorhanden sind und wie ihre Einnahmen und Ausgaben aussehen, grenzt schon an eine Form der Entmündigung, die mit einem würdevollen Verständnis des Menschseins kaum noch etwas gemein hat.

Dass nun Selbiges aber auch mit Personen aus dem Umfeld eines Leistungsempfängers geschehen soll, das grenzt schon an verfassungsfeindliches Handeln. Hatten wir nicht alle ein Persönlichkeitsrecht? Und sollte dies nicht allein dann angetastet werden dürfen, wenn es auch verhältnismäßig ist? Davon dürfte nicht mehr die Rede sein, wenn es um den Mitbewohner geht, der in keinerlei Beziehungsverhältnis zum eigentlich Betroffenen steht.

Wieder einmal wird das Grundgesetz strapaziert – und vielleicht nur das. Denn kaum jemand wird sich diese Gängelung bieten und seine Hosen fallen lassen, nur, weil im Haushalt ein „Hartz IV“-Empfänger lebt. Klagen sind vorprogrammiert. Und das erneut gegen eine SPD-geführtes Ministerium.

Sind die Sozialdemokraten derart naiv, zu glauben, dass wir nicht mehr wissen, wer uns diesen Sozialabbau à la „Hartz“ vor gefühlt nicht allzu langer Zeit überhaupt eingebrockt hat?

[Dennis Riehle]

Lesermeinung

Ich fahre gerne mit dem Bus und empfinde auch die bisherige Innovationspolitik der Stadtwerke gelungen. Gleichsam kann ich verstehen, wenn W-LAN in Verkehrsmitteln ermöglicht wird, in denen Menschen längere Fahrstrecken verweilen. Doch wofür brauche ich auf der Fahrt vom Bahnhof zum Sternenplatz auch noch einen Internetzugang?

Ertragen wir es keine zehn Minuten ohne unser Smartphone mehr? Und warum wollen die Stadtwerke einem angeblichen Bedarf nachkommen und ihn fördern, der offenbar immer mehr Menschen gleichsam stört?

W-LAN ermutigt nicht nur zum Surfen, sondern auch zum Telefonieren – wenn das Mobiltelefon dann schon einmal in der Hand ist. Für mich ist es stets ein gruseliges Gefühl, in einem Bus zu sitzen, in dem ich nur noch gesenkte Köpfe sehe – oder von allen Seiten erfahre, was es heute Abend zu essen gibt. Müssen wir denn jedem Trend hinterherlaufen? Werden wirklich Kunden abspringen, nur, weil sie im Bus kein W-LAN empfangen?

Ich hätte gedacht, die Stadtwerke investieren an dieser Stelle ihr Geld sinnvoller, die digitalen Anzeigetafeln sind ein positives Beispiel. Dass sich das Unternehmen mit seiner Bekundung dann noch zusätzlich auf ein gefährliches Ausspielen der Fahrgäste untereinander einlässt, dürfte für das Image nicht förderlich sein.

Es wäre wünschenswert gewesen, die Breite der Kundschaft bei Abwägungen einzubeziehen, die derart polarisieren. Übrigens: Elektronischen Fahrkarten-Sympathisanten sei empfohlen, wieder einmal das Gefühl des schönen, „alten“ Zacken-Tickets zu genießen!

[Dennis Riehle]